Die Wege des rosa Riesen sind unergründlich! Eines Tages aus heiterem Himmel flatterte uns ohne jegliche vorhergehende Korrespondenz ein Schrieb des örtlichen Gerichtsvollziehers ins Haus. In diesem kündigte er meiner Partnerin an, uns am kommenden Montag (es war bereits Donnerstag) einen Besuch abzustatten, um über 200 EUR für die Telekom einzutreiben. Und wenn niemand da sei, würde er sich auch mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschaffen, um die Forderung einzuziehen.
Nach zweimaligem Lesen haben wir beschlossen: dieser Brief ist kein Witz und auch kein Versuch, uns trickreich irgendwelche Dinge aufzuschwatzen. Nein, der gute Mann kündigte seinen unerfreulichen Besuch an und wollte Ernst machen. Nungut, nun wissen wir, das ist ja auch sein täglich Brot.
Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken, an dem man die Titanic wieder aus ihrem nassen Grab holen könnte: meine Partnerin hatte gar keinen Anschluss mehr!
Sie hatte mal einen als Sie im schönen Schwabenland gearbeitet hat und dort die Woche über gewohnt hat. Die Schlussrechnung dieses Vertragsverhältnisses endete allerdings mit einer Gutschrift für meine Partnerin und war damit erledigt. Seitdem hatte Sie keinen Anschluss mehr. Unser heimischer Anschluss im idyllischen Rheinhessen läuft auf meinen Namen. Und dort wurde immer jede Rechnung ordnungsgemäß beglichen. Aber um meinen Anschluss geht es auch gar nicht.
Die Forderung resultiert aus einem angeblichen Anschluss in einer ganz anderen Stadt. Dort hat meine Partnerin nie gewohnt oder gearbeitet. Wir waren sogar noch nie in dieser Stadt. Offensichtlich reicht hier aber der Nachname Müller als Grundlage für ein solches Vorgehen aus.
Das perfide an dieser Sache ist aber, dass meine Partnerin nie auch nur eine Rechnung, geschweige denn Mahnung oder gar einen Vollstreckungsbescheid in dieser Sache erhalten hat! Man stelle sich vor, wir wären im Urlaub gewesen über dieses Wochenende und wären am Montag nachmittag wiedergekommen. Die Wohnung wäre aufgebrochen gewesen und Gegenstände im Wert der vermeintlichen Forderung entwendet. Gott sei Dank ist es nicht so gekommen.
Wir mussten uns an eine Anwältin wenden, die den Sachverhalt klargestellt hat. Dies hindert die Telekom aber anscheinend nicht, dies ein paar Wochen später völlig ignoriert zu haben. Denn - und das macht die Sache noch fantastischer - der ganze Spuk ging wieder von vorne los. Schon wieder klingelte der Gerichtsvollzieher ohne irgendwelche Korrespondenz in der Zwischenzeit. Ich konnte dem guten Mann an der Tür glaubhaft versichern, dass er leider umsonst gekommen ist. Nachdem ihm wieder die Erinnerung gekommen war, zog er denn auch von dannen.
Die Anwältin durfte nun wieder ran. Das starke Stück an der Sache ist nach meinem Rechtsempfinden auch, dass sich ein deutsches Amtsgericht an diesem widerrechtlichen Vorgang beteiligt, wo doch ein einziger kurzer Anruf in den entsprechenden Einwohnermeldeämtern ausgereicht hätte zu klären, dass es hier keinerlei Übereinstimmungen gibt - außer beim Namen.
Nach diesem zweiten Schock hofften wir, die Sache sei nun endgültig ausgestanden. Aber wieder einmal haben wir die Rechnung ohne die Firma aus Bonn und ihre Kanzlei in Heidelberg gemacht. Denn, so absurd das vielleicht jetzt auch klingen mag: Letzte Woche, Monate nach dem ersten großen und dem zweiten nicht mehr ganz so großen Schreck, kam nun zum ersten Mal ein Vollstreckungsbescheid. Wieder in derselben Sache, dieses Mal von einem anderen Amtsgericht. Offensichtlich verfährt man hier nach dem Prinzip: klappt's bei dem einen nicht, probieren wir es beim nächsten!
Auch hier haben wir wieder im Vorfeld keinerlei Korrespondenz erhalten. Auf dem Bescheid stand noch geschrieben, dass ein Mahnbescheid zugestellt wurde. Aber nicht an unsere Adresse? Warum wird meine Freundin dann mit diesem Vollstreckungsbescheid beglückt?! Wo doch vorher offensichtlich ein anderer Adressat den Empfang der Mahnung bestätigt hat!
Unsere Anwältin hat nun wieder ein wenig Arbeit und ist nun auch mehr und mehr entsetzt über diese Sache. Selbst eine Anwältin und eine Amtsrichterin kommen nicht zu Gesprächspartnern des freundlichen Familienunternehmens aus Bonn oder der Kanzlei in Heidelberg durch. Zwei Kilo Pudding an die Wand nageln ist offensichtlich einfacher...
Fest steht für uns schon jetzt: Sobald es bei uns auf dem Land auch möglich ist, einen vernünftigen Festnetzanschluss ohne die Telekom zu haben, sind wir komplett weg. Leider muss ich zur Zeit noch die Grundgebühr entrichten. Aber dies bereitet mir von Monat zu Monat auch mehr Unvergnügen.
Wenn die Sache nicht juristisch ernst wäre, könnte und müsste man darüber sehr laut lachen.