Manchmal hat man den Eindruck, die Bahn macht ihre Geschäfte am liebsten ohne Kunden. Bin gestern abend mit dem "Sprinter" von Frankfurt nach Berlin gefahren. In der Gegend von Stendal gegen 21.00 Uhr hatte es sich dann ausgesprintert. Wegen einer kaputten Weiche, so die Ansage, müsse man 35 Minuten warten, aus denen dann bald 55 Minuten wurden. Kaputte Weichen scheinen inzwischen überhaupt ein Hauptproblem zu sein, nachdem die Bahn sonstwo, aber offenbar nicht im Schienennetz investiert. Das Folgeproblem mit verpasstem Anschlußzug etc. ist schon Millionen von Zuggästen widerfahren.
Das würde man vielleicht ja noch hinnehmen im Phlegma, das man sich als Bahnreisender nun einmal zulegen muß. Was aber wirklich schwer hinzunehmen ist, das sind die hochnäsig-gnädigen Erstattungsregeln der Bahn, bei deren Lektüre erst richtig Ärger aufkommt. Für die Pleite gestern abend erstattet die Bahn lediglich den Aufpreis für den "Sprinter" (elf Euro?). Das ist natürlich ein Witz angesichts der durch solche Fehlleistungen der Bahn entstehenden Kosten und Unanehmlichkeiten.
Bei einer Verspätung von mehr als einer Stunde sind es popelige 20 Prozent einer Wegstrecke. Da aber die zugesagte fahrplanmäßige Leistung nicht bzw. nur völlig mangelhaft erbracht wurde, reichen diese Erstattungen nicht einmal ansatzweise. So etwas kann sich nur ein Monopolist erlauben. Gäbe es Wettbewerb auf der Schiene, würden die Leistungen der Bahn wohl schnell besser.